» GEDICHTE


Ich bin der Welt abhanden gekommen

 

Ich bin der Welt abhanden gekommen,

Mit der ich sonst viele Zeit verdorben,

Sie hat so lange nichts von mir vernommen,

Sie mag wohl glauben, ich sei gestorben!

 

Es ist mir auch gar nichts daran gelegen,

Ob sie mich für gestorben hält,

Ich kann auch gar nichts sagen dagegen,

Denn wirklich bin ich gestorben der Welt.

 

Ich bin gestorben dem Weltgetümmel,

Und ruh' in einem stillen Gebiet!

Ich leb' allein in meinem Himmel,

In meinem Lieben, in meinem Lied!

 

(Friedrich Rückert)

 



Ferne Nähe

 

Die Sonne lacht mir ins Gesicht,

eine warme Hand streichelt meine Haut.

Ich schau zum Himmel und seh dich nicht,

aber das Gefühl ist mir vertraut.

 

Der Wind streicht mir durchs Haar,

wie einst deine kleine Hand.

Deine Nähe wirkt so wahr,

wie sie uns einst verband.

 

Ich wünscht, du bist da oben

und schaust strahlend auf uns nieder.

Ich wünscht, du kannst dort toben

und hast dein Kinderlachen wieder.

 

Könnt ich dich noch einmal seh´n

und wüsst ich, es geht dir gut,

würd mein Schmerz leichter geh´n

und es käm bald neuer Mut.

 

So nehm ich all die Zeichen,

wo auch immer sie mir entsteh´n,

als würdest du sie reichen,

dass wir gemeinsam weiter geh´n .

 

Es macht die Last nicht leichter,

auch den Weg nicht feiner,

aber mein Herz etwas weicher

und den Blick wieder reiner.

 

(Jana Weinhold)

 


Das Sterben

 

Vielleicht ist es

kein Weggehen

sondern Zurückgehen?

 

Sind wir nicht unterwegs

mit ungenauem Ziel

und unbekannter Ankunftszeit

mit Heimweh im Gepäck?

 

Wohin denn

sollten wir gehen

wenn nicht

nach Hause zurück?

 

(Anne Steinwart)