» ABSCHIED



Die Trauerfeier bereiteten wir mit unserem Pastor sehr sorgfältig vor. Uns war wichtig, dass Dein Lebensmut, Dein Humor und Dein ausdrucksstarkes energisches Wesen neben all dem Schmerz und der Trauer nicht zu kurz kommen.

 

DU hattest eine Botschaft hinterlassen, und die galt es weiterzugeben. Das bezog sich auf Deine trocken- humorvolle Kämpfernatur, aber auch auf Deinen tiefen Glauben an einen uns liebenden Vater im Himmel.

 

Und dieses "DENNOCH" im Angesicht eines kleinen Kindersarges fanden wir sehr wichtig, denn nicht nur einer fragte uns im Laufe dieser langen Krankheitszeit:

 

"WAS, Ihr glaubt doch nicht etwa noch an einen GOTT, bei dem, was der Euch alles zumutet???"

Und Du, unser kleiner Ritter, warst sehr stolz, von Deinem Glauben zu erzählen, ganz unbekümmert und vertrauensvoll. Diese tiefe Dankbarkeit in mir kurz nach Deinem Tod dafür, dass ICH Deine Mami sein und gerade DICH, mein wunderbares Kind, eine Zeit lang bei mir haben durfte, wollte ich alle wissen lassen.

 

Es sollte so sein, dass alle Besucher dieser Trauerfeier den Friedhof letztlich mit einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit, Dich gekannt, begleitet und geliebt zu haben, verlassen.


Wir als Eltern waren natürlich auch sehr dankbar und froh, dass wir die Kraft bekommen hatten, diese oft soo schwere Aufgabe bis zur letzten Sekunde bewältigen zu können. Auch dass wir in diesen 6,5 Jahren das nötige Durchhaltevermögen für jede Situation bekamen, sehen wir als Geschenk.

 

Den Lebenslauf arbeitete ich unserem Pastor z.T. zu, so dass ein abgerundetes, durchaus auch Dir entsprechendes Bild, entstand, welches im Wechsel mit der Andacht eine sehr klare Aussage zur Frage: "WER war dieses tapfere Kind?" zuließ.

 

Der Bibeltext, der über dieser Stunde stand, war Dein Taufspruch:

 

"Gott ist Liebe, und, wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm".

(1. Joh. 4, 16.)

 

DASS Du an diese Liebe glaubtest, an ihr festhieltest in jeder noch so schweren Lebenssituation und sie auch freimütig weitererzähltest allen, die es wissen wollten, machte die Verkündigung zu einem sehr persönlichen Zeugnis.

 

Auch Deine Taufkerze stand neben dem Sarg und wurde zu Beginn der Trauerfeier extra angezündet, um den Zusammenhang zwischen Taufe und Tod bzw. Auferstehung zu verdeutlichen.

Das erste Lied, was gesungen wurde, war: "Ein' feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen....." Ein Vorschlag unseres Pastors, der Dich als mutigen Ritterkämpfer gut kannte.

 

Wir als Eltern waren natürlich auch sehr dankbar und froh, dass wir die Kraft bekommen hatten, diese oft soo schwere Aufgabe bis zur letzten Sekunde bewältigen zu können. Auch dass wir in diesen 6,5 Jahren das nötige Durchhaltevermögen für jede Situation bekamen, sehen wir als Geschenk.


Während und nach der Trauerfeier gab es Gelegenheit, die beiden Projekte unseres hiesigen "Elternvereins für krebskranke Kinder", der uns in all den Jahren so geholfen hat, durch eine Geldspende zu unterstützen. Diese sollte vor allem der Ergotherapieabteilung der Station und dem Projekt "Familienbegleitung", das mir über Monate hinweg ermöglichte, Termine wahrzunehmen und Dich dabei gut betreut zu wissen, zugute kommen.

 

Während des Trauergottesdienstes wurden auch einige persönliche Dankessätze formuliert, die unser Pastor nach der Ansprache verlas. Dies war mir sehr wichtig, denn es standen in all den Jahren auch ganz besondere Menschen, vor allem alle Behandler, Schwestern, Therapeuten...treu an unserer Seite.

 

Einige Mitsängerinnen und -sänger meiner beiden Chöre sangen 2 Lieder. Deine große Freundin S., die Dir versprechen musste, auf Dich zu warten mit der Hochzeit, bis Du erwachsen bist, spielte Violine, und Dein "Hausfreund" J. die Orgel.

 

Es hat mich tief und schmerzlich berührt, dass Dein bester Freund F. und Deine kleine Freundin Y. auch bei der Beerdigung dabei waren. Es hat ihnen und mir fast das Herz zerrissen.

 

Welch eine große Trauergemeinde kam an diesem eiskalten (Minus 16 Grad!) und sonnigen Wintertag- dem 6. Januar und "Heiligen Dreikönigstag" 2009 - zusammen- aus nah und fern- zu DEINEN Ehren. Mit dem strahlend blauen Himmel wolltest Du mir sicher sagen, dass Du "nur nach nebenan gegangen bist.?"

Mir war wichtig, dass bis zum Setzen des Grabsteines ein Holzkreuz Dein "Gärtchen über dem Schatzkästlein" schmückt. Über Deinem Namen, Geburts- und Sterbetag sollte die Jahreslosung von 2008 stehen, weil Du noch im Jahr 2008 gegangen bist und dadurch ein enger Bezug zu Deinem Sterben gezogen werden kann:

 

Jesus Christus spricht: "Ich lebe, und Ihr sollt auch leben."

 

DAS war auch Dir wichtig- das Kreuz- großer Schmerz und Trost zugleich; Jesus Christus, den Du liebtest, ist Dir vorangegangen. Es fertig zu sehen, hat mir fast den Boden unter den Füßen weggezogen, da stand es:

 

Schwarz auf Holz!! Nicht mehr weg zu diskutieren. 


Aber: Was gibt denn sonst Hoffnung, als das Kreuz und dazu DIESER Bibelspruch?

 

Als der Sarg vor der Trauerhalle auf den Wagen gestellt wurde, band Dein Papa 13- für jedes Lebensjahr- rote Herzen als Ballons (mit Helium gefüllt) an den Sarg. Diese wurden, bevor Dein Schatzkästlein in die tiefe Erde eingelassen wurde, von Deinem Bruder J. von der Schnur abgeschnitten, so dass sie in den klaren blauen Winterhimmel flogen.

 

Damit wollten wir unsererem Glauben Ausdruck verleihen, dass "nur" Dein Körper, der Dir soviel Not und Schmerzen bereitet hatte, wie ein nicht mehr gebrauchter Mantel in die Erde gelegt wird und DU zu Gott gehst.

 

Und doch war es plötzlich so endgültig...

Die Ballons flogen kerzengrade in den Himmel und blieben alle ganz lange beieinander, erst später zogen sie gemeinsam (wie ein Vogelschwarm) in die Richtung, in der auch unsere Klinik liegt.... dazu formierten sie sich zu einem S...

 

Als dieser Moment war und Dein Bruder wieder an meiner Seite stand, sagte er ganz liebevoll zu mir:

 

"Mutti, sieh in den Himmel, nicht in die Erde mit dem Sarg, das ist leichter!"

  

Nach der Beisetzung trafen sich die meisten Trauergäste nebenan in den Räumen unserer Kirchgemeinde, wo eine liebevoll vorbereitete Stärkung für die Frierenden -ganz in Deinem Sinne- vorbereitet war.

 

Danach war es ergreifend zu erleben, wie sich alle Gäste der von Deinem Papa und Deinem Bruder liebevoll erstellten Power-Point-Präsentation widmeten, die mit Bildern, Texten und Videos von den Stationen Deines und unseres Lebens berichtete- für alle eine tolle Erinnerung an einen wunderbaren Menschen!